Information

Informationen für Ärztinnen und Ärzte

Vergewaltigungsopfer als Patientinnen in der gynäkologischen Praxis

Dokumentation und Beweissicherung
Zur Dokumentation verwenden Sie bitte den „Untersuchungsbogen für Frauenärztinnen/-ärzte“. Bei Fragen insbesondere zur Spurensicherung können Sie sich jederzeit an das Institut für Rechtsmedizin; Tel.: +49 (89) 2180-73 011 wenden.

Das Untersuchungsergebnis ist der Patientin auf Verlangen schriftlich zu attestieren.

Weiterführende Hilfestellungen
Durch die Untersuchungen sind mögliche Beweise gesichert. Die Frau kann nun in Ruhe abwägen, ob und wann sie Anzeige erstatten möchte. Für weitere psychosoziale Beratung, Informationen zur Anzeigeerstattung und zum Strafverfahren, Weitervermittlung an Rechtsanwältinnen, Begleitung zur Polizei, psychologische Betreuung, Traumatherapie etc. können Sie die Patientin an den Frauennotruf München, Tel. 089 - 76 37 37 weiterverweisen.

Auswirkungen einer Vergewaltigung
Eine Vergewaltigung ist ein traumatisches Ereignis, das einen tiefen Einschnitt im Leben der betroffenen Frau bedeutet. Nicht selten reagiert die Frau auf die Vergewaltigung mit einem Schock. Diese Phase dauert in aller Regel einige Stunden bis hin zu mehreren Tagen, manchmal Wochen. Das Verhalten in dieser Phase kann sehr unterschiedlich sein. Manche Frauen wirken sehr ruhig, unberührt, fast überkontrolliert und zeigen nahezu keine Gefühlsregungen. Es kommt zu paradox wirkendem Verhalten, z.B. lächelndem Erzählen von der Vergewaltigung.

Andere wiederum sind sehr erschüttert, ängstlich, weinen oder sind verwirrt. Manche Frauen brechen unter dem Druck der während der Vergewaltigung zurückgehaltenen Gefühle zusammen. Andere wirken sehr aggressiv. Gemeinsam ist den betroffenen Frauen das Gefühl der Angst, der Ohnmacht, der Demütigung, der Erniedrigung und Beschmutzung.

Nach einer Vergewaltigung kann es zur Bildung einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) kommen, die sich u.a. darin zeigt, dass das Trauma immer wieder in Erinnerungen oder Träumen ungewollt auftaucht sowie durch Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die an das Trauma erinnern und durch einen Zustand innerer Übererregtheit, der zu Schlafstörungen, Schreckhaftigkeit etc. führen kann.

Auch psychosomatische Beschwerden können zurückliegende Gewalterfahrungen als Ursache haben. Diese werden häufig von den betroffenen Frauen nicht mit der Gewalt in Zusammenhang gebracht.

Hinweise für den Umgang mit der Patientin
Vergewaltigte Frauen erleben die körperliche Untersuchung – auch dann, wenn sie einfühlsam und sachlich durchgeführt wird - immer als große Belastung. Ihr Körper stellt wie in der Gewaltsituation einen Gegenstand dar, es wird erneut in ihn eingedrungen. Gefühle der Ohnmacht und des Ausgeliefertseins, die mit der Gewalttat verbunden sind, können dadurch mobilisiert werden und zu einer weiteren Traumatisierung der Frau führen. Um dem labilen psychischen Zustand der Patientin gerecht zu werden, haben sich folgende Hinweise als hilfreich erwiesen:

 

 

 

 

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