

Finanziert wird der Frauennotruf hauptsächlich durch die Landeshauptstadt München sowie die Regierung von Oberbayern und den Landkreis München. Träger der Einrichtung ist die „Initiative zur Förderung des Frauennotrufs München, IFFRA e.V.“. Bußgelder, Förderbeiträge und Spenden unterstützen den Verein. Angeschlossen ist der Frauennotruf an den Paritätischen Wohlfahrtsverband Bayern.
Der Frauennotruf verfügt über 7,5 Planstellen aufgeteilt auf ein interdisziplinäres Team von Pädagoginnen, Psychologinnen und Sozialpädagoginnen.
Die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle bieten Einzelberatung, Krisenintervention, (Trauma)therapie und therapeutische Gruppen an.
Die Mitarbeiterinnen des Krisentelefons sind für die telefonische Beratung und Krisenintervention täglich von 18.00 bis 24.00 Uhr verantwortlich.
Unterstützt wird das Team von einer Steuerfachgehilfin, die für die Buchhaltung/Verwaltung zuständig ist.
Eine fachliche und eine geschäftsführende Leitung teilen sich die Bereiche Personal, Finanzen, Weiterentwicklung der Einrichtung und Außenvertretung.
Vergewaltigung und sexueller Missbrauch sind keine Themen, denen man sich gerne zuwendet. Im Gegenteil: Die meisten Menschen sind angesichts dieser „schlimmen Dinge“ schockiert, verunsichert und überfordert. Sie wollen nichts damit zu tun haben und gehen einer Auseinandersetzung lieber aus dem Weg, weil Angst und Hilflosigkeit zu groß sind.
Die Herausforderung für unsere Öffentlichkeitsarbeit liegt also darin, ein schweres Thema so aufzubereiten, dass es vermittelbar wird. Wir versuchen sexualisierte Gewalt in einer Weise zu benennen, die es den Adressaten/ Adressatinnen ermöglicht, sich dafür zu öffnen. Das Thematisieren in der Öffentlichkeit bedeutet jedes Mal von neuem einen Tabubruch, ein Aussprechen von Ungeheuerlichkeiten, die für viele schwer vorstellbar sind. Vor diesem Hintergrund lassen sich weit verbreitete Reaktionen wie Abwehr, Widerstand, Unsicherheit, Angst, Bagatellisieren oder Aggressivität verstehen. Zudem schwingt hier die gesellschaftlich immer noch tief verankerte Abwertung von Frauen und Frauenthemen mit. Nicht nur die Beratungsarbeit, auch die Öffentlichkeitsarbeit muss diesen Reaktionen Rechnung tragen, um das Ziel der Sensibilisierung und Bewusstseinsänderung zu erreichen.
Frauennotrufe haben sich im Zuge der Frauenbewegung im Laufe der 80er Jahre gegründet. Damals stand die Betroffenheit aller Frauen im Vordergrund. Die individuellen Schicksale wurden zusammengetragen. Gemeinsam analysierten und hinterfragten Frauen gesellschaftliche Machtverhältnisse, die die Benachteiligung von Frauen und Mädchen sowie sexualisierte Gewalt hervorbringen. Sexuelle Ausbeutung von Frauen und Mädchen (später auch Jungen) wurde als Ausdruck männlich- patriarchaler Dominanzansprüche enttarnt. Dieser Erklärungsansatz ist nach wie vor gültig, auch wenn er sich in den letzten Jahren weiter ausdifferenziert hat.
Schnell wurde klar: Um Gewalt an Frauen langfristig entgegenzuwirken, müssen Veränderungsprozesse auf unterschiedlichen gesellschaftlichen und institutionellen Ebenen angestoßen werden. Die Unterstützung von weiblichen Gewaltopfern muss Hand in Hand gehen mit der Aufgabe, über Ausmaß, Ursachen und Auswirkungen von (sexualisierter) Gewalt zu informieren und für diese Thematik zu sensibilisieren. Die Verzahnung der beiden Elemente "Unterstützung der betroffenen Frauen und Mädchen" sowie "Öffentlichkeitsarbeit und Prävention" macht unser Profil aus.
Ziele
Immer noch existieren eine Vielzahl von opferfeindlichen Mythen, wie z.B. „Frauen provozieren eine Vergewaltigung durch Kleidung (der berühmte Minirock!) oder durch ihr Verhalten“ oder „Wenn sie einen Mann beschuldigen, lügen sie und wollen sich nur an ihm rächen“ oder „Frauen wollen vergewaltigt werden, sonst würden sie sich wehren“ und viele mehr. Eine vergewaltigte Frau kommt dabei in die paradoxe Situation, sich für etwas rechtfertigen zu müssen, wofür sie keine Verantwortung trägt. Deshalb ist es ein primäres Ziel unserer Öffentlichkeitsarbeit, diese Vorurteile, die sich extrem negativ auf Betroffene auswirken, abzubauen.
Ein weiteres Anliegen ist es, Strukturen aufzuzeigen, die Gewalt an Frauen und Mädchen bedingen sowie für Gewaltopfer nachteilig sind. Wir wirken – häufig im Verbund mit Notrufen auf Landes-/ Bundesebene oder mit anderen Einrichtungen für Frauen und Mädchen – auf Veränderungen dieser Strukturen hin. So sind einige der Gesetzesänderungen der letzten Jahre (1986 Opferschutzgesetz, 1998 Zeugenschutzgesetz, 2002 Gewaltschutzgesetz, 2004 Sexualstrafrecht) auch auf Initiativen der Frauenverbände zurückzuführen. Mittlerweile sind Vernetzungsstrukturen etabliert, die eine Einflussnahme auf Entscheidungsprozesse landes- und bundesweit ermöglichen.
Letztlich zielen alle unsere Aktivitäten darauf ab, ein gesellschaftliches Klima herzustellen, in dem jegliche Form von sexualisierter Gewalt verurteilt, die Situation von gewaltbetroffenen Frauen ernst genommen und eine langfristige normative Veränderung herbeigeführt wird.
Geschützte vertrauensvolle Atmosphäre
Der Frauennotruf München ist ein Ort, wo die Frau über die erlebte Gewalt und/ oder die Auswirkungen sprechen kann, wo die ganze Tragweite ihrer Erfahrung gesehen und sie damit angenommen wird. Der Frauennotruf ist ein geschützter Frauenraum. Die Mitarbeiterinnen stehen unter Schweigepflicht und die Frau kann, wenn sie möchte, anonym bleiben.
Parteilichkeit und feministischer Ansatz
Wir sehen jegliche Form von Gewalt an Frauen im Kontext gesamtgesellschaftlicher Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse, die nach wie vor zwischen Männern und Frauen bestehen. Wir möchten Frauen in ihren Kompetenzen, Zielen und Wünschen bestärken und zu einer positiven handlungsfähigen Identität ermutigen.
Berücksichtigung unterschiedlicher Lebenssituationen
Wir gehen auf spezifische Bedürfnisse ein und erarbeiten gemeinsam mit der Frau individuelle Perspektiven.
Interkultureller Ansatz, Antirassistische Haltung
Neben dem Sexismus berücksichtigen wir auch alle anderen Formen der Diskriminierung. Die Mitarbeiterinnen nehmen eine antidiskriminierende Grundhaltung im Sinne von Diversity ein. Unsere antirassistische Grundhaltung spiegelt sich in der heterogenen Zusammensetzung unseres Teams.
Würdigung, Wertschätzung und Akzeptanz
Unsere Beratung ist durch eine humanistische Grundhaltung geprägt. Da sich sexualisierte Gewalt bei jeder Frau anders auswirkt, orientieren wir uns an ihrem subjektiven Erleben. Dabei sind Aufbau und Stärkung des Selbstwertgefühls der Frau zentrale Ziele unserer Arbeit.
Transparenz
Wir wollen die Frau dabei unterstützen, ihr persönliches Gefühl der Sicherheit und Kontrolle über das eigene Leben (zurück) zu gewinnen. Dies fördern wir durch eine möglichst selbstbestimmte und transparente Gestaltung der Beratung.
Orientierung an den Ressourcen und Empowerment
Wir sehen die Frau nicht nur in der Opferrolle, sondern würdigen sie in ihrer Gesamtpersönlichkeit mit ihren Kompetenzen und Begabungen. Dazu gehört auch, Überlebensstrategien und bisherige Lebenserfahrungen als Ressourcen wertzuschätzen.
Förderung unterstützender Beziehungen
Durch Gruppenangebote und der Einbeziehung von privaten und professionellen Bezugspersonen tragen wir dazu bei, die soziale Einbindung der oft isolierten Frau zu fördern.
Sicherheit und Stabilität
Das Herstellen von Sicherheit und Stabilität hat oberste Priorität, denn erst sie schaffen die Grundlage für weitere beraterische und therapeutische Maßnahmen.
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